Weshalb Vorschriften für verantwortungsbewusstes Spielen?

Uta Koenig - 22-10-2019

Verantwortungsbewusstes Spielen nach dem GlücksspielstaatsvertragIn vielen Ländern der Welt ist das Glücksspiel in Bezug auf den Spielerschutz nicht reglementiert. Dies betrifft Online Casinos wie auch landbasierte Casinos. Wenn Sie in Las Vegas in ein Casino gehen, dann wird Sie niemand aufhalten, Ihr komplettes Geld zu verspielen. Ebenfalls werden Sie auch keine Beschränkungen oder Spielerschutz erfahren, wenn Sie in Deutschland in einem Online Casino spielen, das nicht von einer europäischen Aufsichtsbehörde lizenziert ist.

Sie Fragen sich jetzt vielleicht, weshalb die europäischen und vor allem die Deutschen Online Casinos dies machen - und das ist sehr einfach erklärt. Denn das Spielen von Glücksspielen, angefangen beim Spielen von Lotto, kann süchtig machen. Der deutsche Gesetzgeber ist sehr darauf bedacht, dass Spieler immer wieder daran erinnert werden, dass das Spiel zu einer Sucht führen kann. Genauso wie die Warnhinweise auf Zigarettenpackungen. Sehen wir uns näher an, was der Gesetzgeber in diesem Bereich vorschreibt und wie die Online Casinos dies umsetzen.

Was schreibt der Glücksspielstaatsvertrag vor?

Im Glücksspielstaatsvertrag von 2008 sowie seiner jetzigen Übergangsregelung und der Neufassung ab dem Jahr 2021 wird das Thema verantwortungsbewusstes Spielen sehr stark behandelt. Zu seinem Umfang gehören unter anderem Pferderennen, Lotterien, Sportwetten, aber auch Gewinnsparen und das Glückspiel in landbasierten- und Online Casinos. Ebenfalls fallen Geldspielautomaten in Spielhallen und Gaststätten darunter.

Die diversen Schriftstücke, die wir im Folgenden den Glückspielstaatsvertrag nennen, schreiben vor, dass die Glücksspielanbieter, sprich also im Fall von Online Casinos deren Betreiber, die Spieler zu verantwortungsbewusstem Spiel anhalten müssen und der Entstehung von Glücksspielsucht vorzubeugen ist. Dies ist wahrlich ein typisch deutscher Satz aus einem Gesetzestext. Was heißt dies denn nun im Klartext?

Wie setzten Online Casinos die Anforderung um?

Um den Anforderungen des Glücksspielstaatsvertrags zu genügen, informieren Online Casinos ihre Kunden sehr umfassend über Gewinn- und Verlustwahrscheinlichkeiten sowie über Suchtrisiken der angebotenen Glücksspiele. Ferner werden Möglichkeiten über eine Beratung sowie Therapiemöglichkeiten in speziellen Abschnitten auf der Webseite aufgelistet. Auf dieser speziellen Seite müssen diese Warnhinweise und auch die Nummer einer Telefon-Beratungshotline aufgeführt sein.

Da Spieler, die von Spielsucht gefährdet sind, durch die Anonymität des Internets nicht direkt angesprochen werden können, müssen die Betreiber ihren Kunden die Möglichkeit geben, Tages-, Sitzungs- oder Monatslimits einzugeben, die nicht sofort geändert werden können und auch Sperren (Selbstausschluss) zu ermöglichen. Für dies muss bei der Beantragung einer deutschen Lizenz ein sogenanntes Spielerschutzkonzept mit den Unterlagen vorgelegt werden. Auch wird vorgeschrieben, dass Mitarbeiter des Kundenservice spezielle Schulungen in diesem sensiblen Bereich erhalten.

Gibt es Schlupflöcher?

Wie bei allen Dingen des Lebens gibt es auch in diesem Bereich Schlupflöcher. Da die Online Casinos Ihre Spieler und deren finanziellen Hintergrund nicht kennen, kann nicht proaktiv an Spieler herangetreten werden. Die Spieler müssen von sich aus erkennen, dass sie ein Problem haben – was aber eine große Selbstdisziplin erfordert, denn wer sieht schon ein, dass er ein eventuelles Problem hat, bei dem er Hilfe benötigt.

Selbst wenn ein Spieler erkannt hat, dass er ein Problem hat und sich selbst ein Spiellimit gesetzt hat – er hat die Möglichkeit dieses zu verändern oder sogar zu löschen. Das Online Casino hat hier keine Möglichkeiten eine eigene Sperre durchzuführen. Einzig bei einem selbstgewählten Spielausschluss kann das Online Casino darauf bestehen, den Spieler bis zum Ablaufdatum nicht spielen zu lassen – dies wird in der Praxis aber nicht so gelebt, denn wenn ein Casino einem Spieler aus diesem Grund das Spielen verwehrt, dann meldet er sich einfach bei einem anderen an. Es ist wichtig, dass die Spieler erkennen, dass sie ein Problem haben – nur dann können diese vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Maßnahmen auch wirken.