Weshalb gibt es Bedenken bei den Buchmachern?

Uta Koenig - 09-10-2019

Why are there concerns with the bookmakers?Wie wir bereits berichtet haben, droht der deutschen Regierung ja schon aufgrund des „blauen Briefs“ der EU-Kommission Ungemach, nun aber haben sich auch die Wettanbieter zu Wort gemeldet. Denn nachdem diese die Übergangsregelung studiert haben und die Bedingungen gesehen haben, die zu einer Lizenzerteilung in Deutschland führen, fragen sie sich, ob ein Lizenzerwerb in Deutschland überhaupt sinnvoll wäre. Denn die Einschränkungen betreffen neben den Buchmachern auch die Spieler – und mit der ausländischen Konkurrenz im Nacken, die sich dank EU-Lizenzen ebenfalls im deutschen Markt tummeln darf, hätten die Anbieter, die sich an das deutsche Regelwerk des Glücksspielstaatsvertrags binden, einen klaren Wettbewerbsnachteil.

Beschränkung von Live-Wetten

Damit Sie als Spieler bei einem Buchmacher oder Online Casino auch nähere Informationen darüber erhalten, was den deutschen Buchmachern an der neuen deutschen Gesetzgebung nicht gefällt, wollen wir Sie etwas näher aufklären.

Denn in Bezug auf die sehr beliebten Live-Wetten gibt es schon einen Richterspruch des Verwaltungsgerichts Hannover, das dazu ganz klar Stellung bezog und diese bereits im Rahmen des aktuell gültigen Glückspielstaatsvertrags als illegal erklärte. Dies hören Sie als Spieler vielleicht zum allersten Mal, denn wenn Sie auf die Webseite Ihres Buchmachers gehen, dann sehen Sie bei allen laufenden Spielen die verschiedenen Live-Wetten-Optionen. Die Anbieter nutzen hier das Europäische Recht als Schlupfloch und interessieren sich nicht für die Deutsche Rechtsprechung.

Wenn also nun ein Sportwettenanbieter bei der deutschen Regierung eine Buchmacherlizenz erwirbt, dann muss er sich dazu verpflichtet, den deutschen Anforderungen anhand des Glücksspielstaatsvertrag inkl. des Übergangsvertrags zu entsprechen. Hier würden dann sofort die Live-Wetten aus dem Programm genommen werden müssen.

Viele Buchmacher am deutschen Markt sind aber von den Einnahmen aus den Live-Wetten angewiesen und können es sich keinesfalls leisten, dieses lukrative Geschäftsfeld aufzugeben. Für diese Anbieter wird nichts anderes übrigbleiben, als weiterhin auf eine deutsche Lizenz zu verzichten – was dem deutschen Staat ein Dorn im Auge sein wird.

Fehlende Werbemöglichkeiten wegen Spielerschutz

Der neue deutsche Glücksspielstaatsvertrag sieht auch extreme Einschränkungen in Bezug auf Werbungen vor. Wenn Sie regelmäßig das Sport1-Programm sehen, dann werden Sie sicherlich darüber erfreut sein, aber diese Werbeeinschränkung geht noch weiter, denn den Sportwetten-Anbietern wird künftig auch die Werbung auf Werbebanden in Stadien oder Trikots von Sportvereinen bis in die untersten Ligen verboten sein.

Diese Maßnahme zum Spielerschutz wird nicht nur die Buchmacher mit einer deutschen Lizenz hart treffen, sondern vor allem auch die Sportvereine, die durch die Werbung der Buchmacher teilweise einen großen Teil des jährlichen Etats decken.

Was sagt das EU-Recht dazu?

Das EU-Recht ist in diesem Bezug sehr klar definiert, denn jeder Anbieter kann sich auf die Dienstleistungsfreiheit der EU berufen. Das EU-Recht schreibt vor, dass ein Anbieter mit einer beliebigen Lizenz einer EU-Gerichtsbarkeit auf allen europäischen Märkten mit seiner Dienstleistung tätig sein darf.

Was für Möglichkeiten haben Buchmacher?

Vielen Buchmachern wird wohl oder übel nicht sehr viel übrigbleiben, als die deutsche Lizenz aufgrund der diversen Auflagen des neuen Glücksspielstaatsvertrags nicht zu beantragen. Die Konkurrenz auf dem Markt ist erdrückend und jeder Buchmacher muss dafür sorgen, dass seine Wettkunden bei ihm bleiben. Sollten Werbemöglichkeiten nicht mehr gegeben sein und auch keine Werbeangebote an die Kunden kommuniziert werden können, dann kann die ausländische Konkurrenz gnadenlos zuschlagen und den „gesetztestreuen“ Anbietern die Mitglieder streitig machen.